Vordere Kreuzbandruptur

Der Riß des vorderen Kreuzbandes zählt zu den häufigsten Bandverletzungen des Menschen. Kaum eine Verletzung zieht so viele Fragen nach sich. Wie schlimm ist meine Verletzung? Muß ich operiert werden? Kann ich wieder Sport treiben und wann? Wie lange werde ich nicht arbeiten können? Die Ursachen für diese Fragen liegen zum einen in der Vielzahl der Publikationen begründet, zum anderen hat sich das therapeutische Vorgehen in den letzten 30 Jahren gewandelt.

Einigkeit besteht seit vielen Jahren darüber, dass ein instabiles Knie nach einer Kreuzbandruptur nicht muskulär stabilisiert werden kann. Die Antworten auf die oben gestellten Fragen lauten im einzelnen:

Muß ich operiert werden?
Die Antwort ist hier eindeutig. Ein instabiles Kniegelenk muß operativ stabilisiert werden. Nur so lassen sich wiederkehrende Meniskus- und Knorpelverletzungen vermeiden.

In der Literatur wird auch von guten Ergebnissen nach einer nicht operativen Behandung berichtet. Tatsächlich kommen zahlreiche Patienten mit ihrer Knieinstabilität gut zurecht. Sie bemerken ihre Instabilität im Alltag nicht oder nur bei bestimmten Bewegungen, z.B. beim Treppabgehen oder beim Gehen auf unebenem Untergrund. Die ursprunglich ausgeübten Sportarten werden vermieden. Dieses symptomarme Stadium ist aber gerade die Tücke der Kreuzbandverletzung. Nach einiger Zeit treten Begleiterscheinungen in den Vordergrund (Meniskus und Knorpelschädigungen). Oftmals ist dies der Anfang vom Ende, das Knie ist dann bereits so stark abgenutzt, das wir bereits von einer manifesten Arthrose sprechen müssen. Eine Therapie kann dann nur noch symptomatisch erfolgen.

Wie werde ich operiert?
Der arthroskopische Ersatz des vorderen Kreuzbandes (Kreuzbandplastik) ist heute Standard. Als Bandersatz dienen körpereigene Transplantate. Ich verwende dazu die Semitendinosus-/Gracilis Sehnen, die über eine Mini –Inzision entnommen werden können und deren Reißfestigkeit höher als die des ursprünglichen Bandes ist.. Der Vorteil dieses Transplantates ist ein Ausbleiben des vorderen Kniegelenkschmerzes (früher häufig bei Patellasehnenplastiken). Die Befestigung des Transplantates erfolgt mit Bio-resorbierbaren Stiften und Schrauben. Diese werden vom Körper resorbiert und müssen somit nicht wieder entfernt werden.

Wie ist der Ablauf des Eingriffes?
Der Eingriff kann ambulant oder auf Wunsch stationär durchgeführt werden. Nach dem Eingriff wird das Knie durch eine äußere achsgeführte Bandage geschützt. Diese Bandage soll 6 Wochen getragen werden. Eine Teilbelastung des operierten Beines an Gehstützen ist für 2 Wochen nach dem Eingriff notwendig. Die krankengymnastische Behandlung wird nach einem genau festgegten Plan durchgeführt. Schreibtischtätigkeiten können bereits nach 2 Wochen wieder ausgeübt werden, bei körperlich anstrengenden Berufen kann der Arbeitsausfall 12 Wochen betragen.

Sport?
Leichte Sportarten wie z.B. Radfahren können 3 Monate nach dem Eingriff wieder durchgeführt werden, allgemeine Sportfähigkeit besteht nach 6 Monaten. Mit Kontaktsportarten sollte 9 Monate pausiert werden.

Fazit:
Ein instabiles Kniegelenk muß operativ stabilisiert werden. Nur so lassen sich eine vorzeitige Gelenkabnutzung und sekundäre Meniskus- und Knorpelschädigungen vermeiden.


intaktes vorderes Kreuzband


Kreuzbandersatzplastik