Hüftendoprothetik

Der künstliche Ersatz des Hüftgelenks gehört heutzutage zu den erfolgreichsten Operationen in der Orthopädie. In der modernen Hüftendoprothetik werden wenn möglich kleine Implantate (Kurzschaftprothesen) und Gleitpaarungen mit optimaler biologischer Verträglichkeit verwendet. Über einen kurzen Hautschnitt können die Prothesen Weichteil schonend (minimalinvasiv), d.h. ohne Durchtrennung der stabilisierenden Muskulatur eingebracht werden. Die Narkose- und Operationszeiten verkürzen sich und der Bedarf an Schmerzmitteln reduziert sich. Der postoperative Verlauf und die Wiedereingliederung in das alltägliche Leben werden wesentlich beschleunigt.


Abb.:1 a Kurzschaftprothese b Verankerung im Knochen c Röntgenbild


Abb. 2: a Becken mit rechtem Hüftgelenk (roter Kreis).
b Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk und besteht aus den Komponenten Hüftpfanne und Hüftkopf. Die Hüftpfanne bildet eine kugelförmige Schale in der der Hüftkopf in allen Ebenen bewegt werden kann. Beide Knochenflächen sind mit Gelenkknorpel belegt.
c Arthrose: Der Gelenkknorpel ist aufgebraucht, die Knochenflächen haben direkten Kontakt.

Die Form des Hüftgelenkes unterliegt von Natur aus einer hohen Variabilität d.h. es gibt nicht die „goldene Prothese“ die in alle Gelenke passt. Eine genaue präoperative Analyse mit Beurteilung der Knochenqualität und der anatomischen Form des Hüftgelenks ist notwendig um eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Hierfür haben wir Behandlungsstandards, die ständig den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst werden, entwickelt.


Abb. 3: Präoperative Planung zur Festlegung des Prothesentyps. Anpassung der Prothese an die Knochenform unter Berücksichtigung des richtigen Offsets (Verhältnis von Femurkopf- und Schaft) um postoperativ eine physiologische Muskel- und Bandspannung zu erreichen.
a Röntgenbild vor der Operation
b Planung 1 mit Kurzschaftprothese
c Planung 2 mit einem Standardschaft
d Umsetzung der Planung 1 mit postoperativen Röntgenbild.


Abb. 4: Verschiedene Prothesentypen und Verankerungsmechanismen im Röntgenbild.
a Kurzschaftprothese mit Verankerung im Schenkelhals
b Anatomische Schaftprothese mit Verklemmung im Oberschenkelschaft
c Zementierte Verankerung bei schwerer Osteoporose

Über 90% der Prothesen können zementfrei verankert werden (Pressfit Implantation). Entscheidend für die Haltbarkeit (Standzeit) der Prothesen ist neben der passgerechten Verankerung das verwendete Material. Wir verwenden hochwertiges Titan mit einer speziellen Beschichtung so dass ein biologischer Verbund zwischen Knochen und Implantat entsteht. Die Kombination eines speziellen abriebarmen Kunststoffs (Hochvernetztes Polyethylen) mit einem hochstabilen Keramikkopf erlaubt einen optimalen Gleitvorgang des Kunstgelenks.


Abb. 5: Moderne Gleitpaarung mit einem abriebarmen Kunststoff (Hochvernetztes Polyethylen) und einer hochstabilen Keramik.

Die Operationen am Hüftgelenk werden stationär durchgeführt. Schon am ersten postoperativen Tag beginnt die Mobilisation mit der Unterstützung von Physiotherapeuten. Um die im Krankenhaus gewonnen Fähigkeiten weiter zu Schulen und zu verbessern schließt sich eine Rehabilitationsbehandlung (stationär oder ambulant) nahtlos an.

Häufig gestellte Fragen:

Wie erkenne ich eine Erkrankung der Hüfte ?
Die Erkrankungen des Hüftgelenks äußern sich in der Regel mit Leistenschmerzen die bis in das Kniegelenk ausstrahlen können. Typisch ist ein morgendlicher Anlaufschmerz (Initiale Schmerzen die nach kurzer Gehstrecke nachlassen) und Beschwerden nach längeren Gehstrecken. Ein hinkendes Gangbild schleicht sich ein und Schmerzen in der unteren Lendenwirbelsäule können Ausdruck der Bewegungseinschränkung in der Hüfte sein.

Was sind die Ursachen den Hüftschmerz ?
Verschiedene Erkrankungen können für Schmerzen im Hüftgelenk verantwortlich sein. Am häufigsten sehen wir Patienten mit einer primären Arthrose (Coxarthrose, Gelenkverschleiß). Gelenkentzündungen wie die Rheumatoide Arthritis und Verformungen der Hüftpfanne (Hüftdysplasie) können auf Dauer zu einer sekundären Arthrose führen. Auch überstandene Hüfterkrankungen im Kindesalter (Morbus Perthes, Epiphysiolysis Capitis Femoris) oder Verformungen des Knochens nach Knochenbrüchen (Schenkelhalsbruch) können später zu Beschwerden führen. Erkrankungen wie das Hüftimpingement (Impingement Syndrom, Pincer Impingement, Cam Impingement) und die Hüftkopfnekrose können vorboten einer Arthrose sein und müssen früh erkannt werden.

Muss immer ein künstliches Gelenk implantiert werden ?
Wenn eine Fehlstellung oder Deformität (z.B. Pistol Grip Deformity) rechtzeitig erkannt wird kann gelenkerhaltend therapiert werden. Für die leichten Formen der Arthrose gibt es eine Vielzahl von konservativen Behandlungsmöglichkeiten. Leider sehen wir viele Patienten erst wenn bereits ein starker Gelenkverscheiß eingetreten ist.